Egoisten – Warum es immer mehr von ihnen zu geben scheint und wie wir uns schützen

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Eine sitzende Frau setzt mit erhobener Hand eine Grenze, während ein Mann mit ihr spricht.

Egoistische Menschen können uns viel Kraft kosten. Warum Rücksichtnahme manchmal zur Ausnahme zu werden scheint, wie wir einseitige Beziehungen erkennen und weshalb gesunde Grenzen nichts mit Egoismus zu tun haben.

Von Lewis D.J. Hartmann | Praxis Bewusst-Sein

Es gibt Menschen, bei denen sich scheinbar alles nur um sie selbst dreht. Ihre Probleme sind immer besonders dringend, ihre Wünsche haben Vorrang und ihre Zeit scheint grundsätzlich wertvoller zu sein als die anderer Menschen. Sie erwarten Verständnis, Unterstützung und Rücksichtnahme, zeigen davon selbst aber erstaunlich wenig. Vielleicht kennen Sie jemanden, der sich hauptsächlich dann meldet, wenn er etwas benötigt. Einen Freund, dem Sie stundenlang zuhören, der aber kaum nachfragt, wie es Ihnen selbst geht. Einen Kollegen, der gerne Anerkennung für gemeinsame Leistungen erhält, unangenehme Aufgaben jedoch lieber anderen überlässt. Oder einen Menschen innerhalb Ihrer Familie, bei dem Sie schon vor einem Treffen überlegen, welche Wünsche und Erwartungen dieses Mal auf Sie zukommen könnten. Das Verletzende an solchen Begegnungen ist häufig nicht eine einzelne Handlung, sondern das Gefühl, dass die Beziehung auf Dauer nur in eine Richtung funktioniert. Einer gibt, der andere nimmt. Einer bemüht sich, der andere erwartet. Und irgendwann stellt sich die Frage, weshalb man eigentlich so viel Rücksicht auf einen Menschen nimmt, der selbst kaum bereit ist, dasselbe zu tun.

Immer häufiger hört man die Aussage, dass unsere Gesellschaft egoistischer geworden sei. Menschen würden nur noch an sich denken, Freundschaften seien oberflächlicher geworden und Hilfsbereitschaft werde zunehmend ausgenutzt. Doch stimmt das tatsächlich? Wissenschaftlich lässt sich ein allgemeiner Anstieg egoistischen Verhaltens nicht eindeutig belegen. Auch Untersuchungen zu narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen, die keineswegs mit Egoismus gleichzusetzen sind, liefern keinen Beleg für eine allgemeine Zunahme. Was sich allerdings verändert hat, sind unsere gesellschaftlichen Lebensbedingungen und die Art, wie wir miteinander kommunizieren. Persönlicher Erfolg, Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit besitzen heute einen hohen Stellenwert. Überall begegnen uns Ratschläge, nach denen wir zuerst an uns selbst denken, uns von belastenden Menschen trennen und keine Kompromisse eingehen sollen. Vieles davon kann hilfreich sein, vor allem für Menschen, die ihre eigenen Bedürfnisse jahrelang zurückgestellt haben. Problematisch wird es jedoch, wenn Selbstfürsorge mit Rücksichtslosigkeit verwechselt wird. Denn auf sich selbst zu achten bedeutet nicht, dass die Gefühle und Bedürfnisse anderer plötzlich keine Rolle mehr spielen.

Warum wirken heute so viele Menschen egoistisch?

Ein möglicher Einfluss liegt in einer Gesellschaft, in der Sichtbarkeit und persönliche Anerkennung eine große Bedeutung besitzen. Besonders in den sozialen Medien erleben wir täglich, wie Menschen ihre Erfolge präsentieren, ihre Meinungen verbreiten und um Aufmerksamkeit konkurrieren. Wer besonders laut auftritt, provoziert oder sich geschickt inszeniert, wird häufig stärker wahrgenommen als jemand, der still und zuverlässig für andere da ist. Natürlich sind Menschen, die gerne Bilder von sich veröffentlichen oder stolz auf ihre Leistungen sind, deshalb nicht automatisch egoistisch. Untersuchungen zeigen zwar Zusammenhänge zwischen bestimmten narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen und einzelnen Formen der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass soziale Medien Menschen grundsätzlich egoistisch machen. Trotzdem können solche Plattformen ein Bild vermitteln, in dem das eigene Ich besonders wichtig erscheint. Wer erhält die meiste Aufmerksamkeit? Wer hat das erfolgreichste Leben? Wer wird bewundert? Die stillen Gesten des Alltags geraten dabei leicht in den Hintergrund. Ein Mensch, der sich liebevoll um einen Angehörigen kümmert, einem Freund zuhört oder auf einen persönlichen Vorteil verzichtet, um jemand anderem zu helfen, wird dafür nicht unbedingt öffentlich wahrgenommen. Dabei sind es gerade diese kleinen Handlungen, die unser Zusammenleben menschlicher machen.

Auch unsere persönliche Lebensgeschichte beeinflusst, wie wir anderen begegnen. Manche Menschen haben früh gelernt, dass sie ihre Interessen nur durchsetzen können, wenn sie besonders nachdrücklich auftreten. Andere wurden möglicherweise so häufig bevorzugt, dass es ihnen schwerfällt, die Wünsche ihrer Mitmenschen als gleichwertig anzuerkennen. Wieder andere reagieren auf Unsicherheit mit übertriebener Selbstbehauptung oder benötigen viel Anerkennung, um sich selbst wertvoll zu fühlen. Allerdings lässt sich egoistisches Verhalten nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Persönlichkeit, Erziehung, Erfahrungen und die Fähigkeit, eigene Verhaltensweisen zu hinterfragen, wirken auf unterschiedliche Weise zusammen. Hinzu kommt, dass auch anhaltender Stress unsere Aufmerksamkeit für andere einschränken kann. Wer selbst erschöpft ist, finanzielle Sorgen hat oder sich in einer schwierigen Lebensphase befindet, besitzt möglicherweise vorübergehend weniger Kraft, sich mit den Problemen seiner Mitmenschen zu beschäftigen. Das allein macht ihn nicht egoistisch. Ein Mensch, der gerade nicht helfen kann, ist etwas anderes als jemand, der grundsätzlich nicht helfen möchte, selbst aber ständig Unterstützung erwartet. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn nicht jede Enttäuschung und nicht jede abgelehnte Bitte sind Ausdruck mangelnder Rücksichtnahme.

Woran erkennt man egoistische Menschen?

Egoistische Menschen sind nicht immer diejenigen, die laut auftreten und offensichtlich nur an sich denken. Manche wirken zunächst ausgesprochen freundlich, aufmerksam und verständnisvoll. Erst mit der Zeit zeigt sich, dass ihre Zuwendung häufig davon abhängt, ob ihre Erwartungen erfüllt werden. Vielleicht bemerken Sie, dass Gespräche überwiegend um die Probleme des anderen kreisen. Sobald Sie selbst etwas erzählen möchten, wird das Thema gewechselt oder Ihr Anliegen heruntergespielt. Vielleicht stellen Sie fest, dass gemeinsame Verabredungen fast ausschließlich nach den Wünschen des Gegenübers stattfinden. Oder Sie erleben, dass Ihre Hilfsbereitschaft als selbstverständlich angesehen wird, während Sie bei eigenen Schwierigkeiten nur wenig Unterstützung erhalten.

Besonders aufschlussreich ist häufig der Umgang mit persönlichen Grenzen. Was passiert, wenn Sie einmal Nein sagen? Kann der andere Mensch Ihre Entscheidung akzeptieren, auch wenn er enttäuscht ist? Oder versucht er, Sie durch Vorwürfe, Schuldgefühle oder wiederholtes Drängen umzustimmen? Aussagen wie „Früher warst du aber hilfsbereiter“ oder „Ich dachte, ich könnte mich auf dich verlassen“ können verletzen, besonders wenn Sie ohnehin Schwierigkeiten damit haben, andere zu enttäuschen. Natürlich ist nicht jede solche Äußerung bereits ein Versuch gezielter Manipulation. Menschen können ihre Enttäuschung auch ungeschickt ausdrücken. Wenn Druck und Schuldzuweisungen jedoch regelmäßig eingesetzt werden, um Ihre Entscheidungen zu beeinflussen, sollten Sie aufmerksam werden.

Ein weiteres Warnzeichen ist fehlende Verantwortungsübernahme. Jeder Mensch macht Fehler, reagiert gelegentlich ungeduldig oder verletzt jemanden unbeabsichtigt. Entscheidend ist, ob er anschließend bereit ist, sein Verhalten zu hinterfragen. Kann er sich entschuldigen, ohne sofort die Schuld bei anderen zu suchen? Kann er anerkennen, dass seine Worte verletzend waren, selbst wenn er es nicht so gemeint hat? Oder werden Ihre Gefühle grundsätzlich als übertrieben dargestellt? Egoismus zeigt sich häufig weniger in einzelnen Aussagen als in wiederkehrenden Verhaltensmustern. Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur auf das zu achten, was jemand verspricht, sondern auch darauf, wie er sich über längere Zeit tatsächlich verhält.

Warum leiden besonders hilfsbereite Menschen unter Egoismus?

Menschen, die besonders einfühlsam sind, viel Verständnis aufbringen und Harmonie schätzen, haben manchmal große Schwierigkeiten, sich gegenüber rücksichtslosen Verhaltensweisen abzugrenzen. Sie versuchen, die Gründe für das Verhalten des anderen zu verstehen, entschuldigen Verletzungen und geben immer wieder neue Chancen. Vielleicht denken sie, dass ihr Gegenüber gerade besonders viel Stress hat oder selbst schwierige Erfahrungen gemacht hat. Diese Bereitschaft, nicht vorschnell zu urteilen, ist zunächst eine wertvolle Eigenschaft. Sie wird allerdings problematisch, wenn das Verständnis für andere grundsätzlich größer ist als das Verständnis für sich selbst.

Manche Menschen haben über viele Jahre gelernt, dass sie besonders dann Anerkennung erhalten, wenn sie hilfsbereit, zuverlässig und möglichst unkompliziert sind. Deshalb fällt es ihnen schwer, eine Bitte abzulehnen. Sie möchten niemanden enttäuschen, keinen Streit auslösen und nicht als egoistisch wahrgenommen werden. Also sagen sie Ja, obwohl sie eigentlich Nein meinen. Sie übernehmen Aufgaben, für die ihnen längst die Kraft fehlt, und hören anderen zu, obwohl sie selbst dringend jemanden bräuchten, der ihnen zuhört. Mit der Zeit kann daraus eine erhebliche emotionale Belastung entstehen. Man fühlt sich gebraucht, aber nicht gesehen. Man ist für andere da, hat aber das Gefühl, selbst niemanden wirklich belasten zu dürfen.

Besonders schmerzhaft wird es, wenn die eigene Hilfsbereitschaft irgendwann als selbstverständlich gilt. Was früher noch mit einem ehrlichen Dankeschön verbunden war, wird zunehmend erwartet. Wer sich dann zurücknimmt, bekommt möglicherweise zu hören, er habe sich verändert. Dabei besteht die Veränderung vielleicht lediglich darin, dass er beginnt, seine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Genau hier liegt ein wichtiger Gedanke: Sie sind nicht automatisch egoistisch, nur weil Sie nicht mehr bereit sind, sich dauerhaft für andere zu überfordern. Eine Freundschaft oder Beziehung sollte kein Ort sein, an dem ein Mensch ständig geben muss, um sich seine Bedeutung für den anderen zu verdienen.

Wie schützt man sich vor egoistischen Menschen?

Der wichtigste Schritt ist häufig, die eigene Wahrnehmung wieder ernst zu nehmen. Wenn Sie nach bestimmten Begegnungen regelmäßig erschöpft, traurig, angespannt oder verunsichert sind, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Fragen Sie sich, ob Ihre Bedürfnisse innerhalb dieser Beziehung ausreichend Platz haben. Können Sie offen sagen, was Sie denken? Dürfen Sie auch einmal schwach sein? Interessiert sich der andere Mensch für Ihr Wohlbefinden, selbst wenn Sie gerade nichts für ihn tun können? Solche Fragen helfen dabei, zwischen gelegentlichen Enttäuschungen und einem dauerhaft unausgeglichenen Miteinander zu unterscheiden.

Ein weiterer Schritt besteht darin, persönliche Grenzen klar und respektvoll auszusprechen. Dafür benötigen Sie weder harte Worte noch lange Rechtfertigungen. Manchmal reicht bereits ein ruhiger Satz wie: „Heute schaffe ich das nicht.“ Oder: „Ich möchte dir gerne helfen, aber im Moment habe ich selbst zu viel zu tun.“ Wenn jemand respektlos mit Ihnen spricht, dürfen Sie darauf hinweisen, dass Sie das Gespräch unter diesen Bedingungen nicht fortsetzen möchten. Besonders wichtig ist, dass Sie anschließend auch nach Ihrer Entscheidung handeln. Wer seine Grenzen immer wieder zurücknimmt, sobald das Gegenüber enttäuscht reagiert, vermittelt möglicherweise ungewollt, dass ausreichend Druck am Ende doch zum gewünschten Ergebnis führt.

Dabei gehört es zum gesunden Abgrenzen, die Enttäuschung anderer Menschen gelegentlich auszuhalten. Nicht jeder wird sich darüber freuen, wenn Sie plötzlich weniger verfügbar sind oder eine bisher selbstverständliche Aufgabe nicht mehr übernehmen möchten. Das bedeutet jedoch nicht, dass Ihre Entscheidung falsch ist. Andere Menschen dürfen enttäuscht sein, genauso wie Sie das Recht besitzen, eigene Bedürfnisse zu haben. Sie sind nicht dafür verantwortlich, sämtliche unangenehmen Gefühle Ihres Gegenübers zu verhindern.

Ebenso wichtig ist es, Erwartungen an die Realität anzupassen. Vielleicht hoffen Sie seit Jahren, dass ein bestimmter Mensch eines Tages erkennt, wie viel Sie für ihn getan haben. Vielleicht glauben Sie, dass er sich verändern wird, wenn Sie nur noch etwas geduldiger sind. Menschen können sich durchaus verändern. Dafür müssen sie jedoch selbst bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Sie können niemanden allein durch Verständnis und Hilfsbereitschaft dazu bringen, rücksichtsvoller zu werden. Wenn wiederholte Gespräche keine Veränderung bewirken, kann es deshalb sinnvoll sein, den Kontakt anders zu gestalten, weniger Verantwortung zu übernehmen oder etwas Abstand zu gewinnen. Eine Beziehung muss nicht wegen jeder Schwierigkeit beendet werden. Aber sie sollte auch nicht um jeden Preis aufrechterhalten werden, wenn sie dauerhaft zulasten Ihrer seelischen Gesundheit geht.

Egoismus oder Narzissmus: Was ist der Unterschied?

Im Alltag werden egoistische Menschen häufig vorschnell als Narzissten bezeichnet. Doch nicht jeder rücksichtslose Mensch hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Egoismus beschreibt zunächst eine Haltung oder ein Verhalten, bei dem die eigenen Interessen besonders stark in den Vordergrund gestellt werden. Narzisstische Persönlichkeitsmerkmale können unter anderem mit einem ausgeprägten Bedürfnis nach Anerkennung, übersteigerter Selbstbezogenheit oder Schwierigkeiten beim Umgang mit Kritik verbunden sein. Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist dagegen eine psychische Erkrankung, deren Diagnose eine sorgfältige fachliche Untersuchung erfordert.

Für Menschen, die unter einer schwierigen Beziehung leiden, ist die Frage nach einer Diagnose häufig gar nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, wie sich das Verhalten auf das eigene Wohlbefinden auswirkt. Sie müssen niemandem eine psychische Erkrankung zuschreiben, um sich vor verletzendem Verhalten schützen zu dürfen. Gleichzeitig sollten wir vermeiden, schwierige Menschen vorschnell als psychisch krank abzustempeln. Nicht jede Rücksichtslosigkeit ist Ausdruck einer psychischen Störung und nicht jeder Mensch mit einer psychischen Erkrankung verhält sich egoistisch.

Freundlich bleiben, ohne sich selbst zu verlieren

Vielleicht ist das Schwierigste am Umgang mit egoistischen Menschen nicht das Setzen einer Grenze, sondern die Entscheidung, sich die eigene Hilfsbereitschaft trotzdem zu bewahren. Wer häufig enttäuscht wurde, kann irgendwann den Eindruck gewinnen, dass Freundlichkeit grundsätzlich ausgenutzt wird. Man wird vorsichtiger, misstrauischer und zieht sich möglicherweise zurück. Doch damit besteht die Gefahr, dass wir nicht nur belastende Menschen auf Abstand halten, sondern auch diejenigen, die uns wirklich guttun könnten.

Es gibt nach wie vor viele Menschen, die aufmerksam zuhören, zuverlässig sind und helfen, ohne sofort eine Gegenleistung zu erwarten. Menschen, die sich ehrlich für andere freuen, Verantwortung übernehmen und auch dann respektvoll bleiben, wenn ihre Wünsche einmal nicht erfüllt werden. Diese Menschen stehen vielleicht nicht ständig im Mittelpunkt. Sie fallen oft gerade deshalb weniger auf, weil ihr Verhalten selbstverständlich und unaufgeregt ist. Doch sie zeigen, wie wertvoll gegenseitige Rücksichtnahme sein kann.

Ein gesundes Miteinander bedeutet nicht, dass immer beide Seiten gleich viel geben müssen. Gerade in schwierigen Lebensphasen braucht manchmal einer mehr Unterstützung als der andere. Entscheidend ist die grundsätzliche Bereitschaft, füreinander da zu sein und die Bedürfnisse des Gegenübers ernst zu nehmen. Wir sollten deshalb nicht anfangen, jede Gefälligkeit gegeneinander aufzurechnen. Stattdessen können wir uns fragen, ob wir innerhalb einer Beziehung als Mensch geschätzt werden oder überwiegend aufgrund dessen, was wir für andere leisten.

Vielleicht werden wir nie genau wissen, ob es heute tatsächlich mehr Egoisten gibt als früher. Aber wir können selbst entscheiden, welche Haltung wir in unserem Leben vertreten möchten. Wir können aufmerksam, hilfsbereit und verständnisvoll bleiben, ohne uns dauerhaft zu überfordern. Wir können anderen Menschen eine Chance geben, ohne immer wieder dieselben Verletzungen hinnehmen zu müssen. Und wir können lernen, unsere eigenen Bedürfnisse mit derselben Ernsthaftigkeit zu behandeln, mit der wir uns um die Bedürfnisse anderer kümmern.

Sie dürfen ein guter Mensch sein, ohne es allen recht machen zu müssen. Sie dürfen Verständnis zeigen, ohne alles zu entschuldigen. Und Sie dürfen Nein sagen, ohne deshalb weniger freundlich oder weniger liebenswert zu sein. Denn gesunde Selbstfürsorge ist kein Egoismus. Sie ist die Grundlage dafür, dass wir auch langfristig mitfühlend und aufrichtig für andere da sein können.


Wenn Abgrenzung schwerfällt

Manchmal wissen wir längst, dass uns bestimmte Beziehungen oder Verhaltensweisen nicht guttun, und schaffen es trotzdem nicht, etwas zu verändern. Schuldgefühle, Angst vor Ablehnung oder über Jahre entstandene Verhaltensmuster können dabei eine wichtige Rolle spielen.

In der Praxis Bewusst-Sein in Maintal unterstütze ich Menschen im Rahmen der integrativen psychologischen Beratung dabei, belastende Beziehungsmuster besser zu verstehen, ihre Selbstachtung zu stärken und einen gesünderen Umgang mit den eigenen Bedürfnissen und Grenzen zu entwickeln.

Lewis D.J. Hartmann
Psychologischer Berater
Praxis Bewusst-Sein | Maintal
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Quellen und weiterführende Informationen

Zur gesellschaftlichen Entwicklung narzisstischer Merkmale: Oberleiter, Stickel und Pietschnig, A Farewell to the Narcissism Epidemic? A Cross-Temporal Meta-Analysis of Global NPI Scores (1982–2023). Die Untersuchung betrifft narzisstische Selbstberichte, nicht Egoismus als Alltagsverhalten.

Zur Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken: Buffardi und Campbell, Narcissism and social networking Web sites. Die Studie beschreibt Zusammenhänge und belegt keine allgemeine Verursachung von Egoismus durch soziale Medien.

Wenn Beziehungen dauerhaft belasten, finden Sie weitere Gedanken auf der Seite Toxische Beziehungen.

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